Entweder oder? Warum diese Formel nicht immer die ganze Wahrheit ist
In Sitzungen sage ich das öfter, als mir manchmal lieb ist: Streich das Wort “eigentlich”. Entweder du machst es, oder du lässt es.
Und ich mein das in diesem Moment ernst. Wenn jemand seit Monaten, manchmal Jahren, im Kreis um dieselbe Frage kreist: bleibe ich, gehe ich, sage ich’s, sage ich’s nicht, dann ist “entweder oder” oft genau das, was den Knoten löst. Das kleine Wort “eigentlich” ist nämlich meistens kein echtes Abwägen. Es ist eine Ausrede, um die Entscheidung noch ein bisschen weiter vor sich herzuschieben..

Warum das Werkzeug so gut funktioniert
Menschen, die feststecken, denken oft, sie würden gerade sorgfältig abwägen. In Wahrheit drehen sie sich im Kreis, ohne dass neue Informationen dazukommen. Immer dieselben Argumente, immer dieselbe Angst, immer derselbe Punkt, an dem’s kippt. Da hilft kein weiteres Abwägen. Da hilft: Klarheit erzwingen. Entweder oder. Schwarz oder weiß, wenigstens für einen Moment.
Aber: das ist mir heute in einer Sitzung nochmal richtig bewusst geworden
Das Leben selbst ist meistens kein Entweder-oder. Es ist eher ein Sowohl-als-auch mit ziemlich vielen Zwischentönen.
Du kannst was Neues ausprobieren, ohne alle Brücken hinter dir abzureißen. Du kannst dich für eine Richtung entscheiden und trotzdem merken: das war nicht die letzte Entscheidung deines Lebens, sondern die nächste. Du kannst in einer Sache klar sein und in einer anderen bewusst offenlassen, wie’s weitergeht.
Wenn ich mit “entweder oder” arbeite, geht’s mir nie darum, das Leben in zwei Schubladen zu pressen. Es geht darum, jemanden aus einer Lähmung rauszuholen, die durch endloses Sowohl-als-auch entstanden ist. Das ist ein Unterschied.
Wo’s gefährlich wird
Richtig unangenehm wird’s, wenn Menschen das Entweder-oder nicht mehr auf Entscheidungen anwenden, sondern auf sich selbst. Entweder ich bin erfolgreich, oder ich bin komplett gescheitert. Entweder ich mache alles perfekt, oder es zählt gar nichts. Das ist keine hilfreiche Klarheit mehr, das ist Schwarz-Weiß-Denken, das einen fertigmacht. Genau das sehe ich übrigens auch oft bei Menschen mit ausgeprägtem Perfektionismus. Dazu hab ich an anderer Stelle mehr geschrieben.
Was ich Klient:innen stattdessen mitgebe
Die Frage ist nicht: Entweder oder, immer und überall.
Die Frage ist: Wo hilft mir gerade Klarheit, und wo darf ich mir erlauben, dass sich was noch entwickeln muss? Manchmal ist der mutigste Schritt nicht die endgültige Entscheidung, sondern der erste Versuch. Und der muss nicht für immer gelten.
Wenn du merkst, dass du entweder ständig im “eigentlich” feststeckst oder dich umgekehrt selbst nur noch in Schwarz oder Weiß bewertest. Llass uns gemeinsam draufschauen, wo bei dir gerade was fehlt: Klarheit oder Raum.
Oder direkt die Möglichkeit für ein unverbindliches Erstgespräch.
Herzlichst Alexandra




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